Gröning, Bruno

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Autor: Winfried Müller
Stand: Mai 2012
  1. Lehre
  2. Biographisches
  3. Geschichtliche Entwicklung
  4. Statistik und gesellschaftliche Relevanz
  5. Beurteilung
  6. Literatur
  7. Fazit
  8. Weblinks

Lehre

Die Lehre von Bruno Gröning beruht auf dem sogenannten "Heilstrom". Dieser würde ausschließlich von ihm ausgehen. Das Bemühen der Gruppe besteht nun darin, Patienten auf diesen Heilstrom einzustellen. Medizinisch gesehen stellen diese Übungen einfache autogene Entspannungstechniken dar.

Auffällig sind an dieser Lehre vor allem zwei Dinge. Zum einen die Nähe zur christlichen Religion und zum anderen die Mittelpunktrolle von Bruno Gröning, verbunden mit dem Allmachtsglauben an seine Kräfte. So stellt sich Bruno Gröning als zweiter Messias dar, der nicht nur alle Krankheiten heilen kann, sondern auch jede Störung im gesamten Lebensbereich des Menschen beheben kann. Nicht zufällig kommen viele Mitglieder der Bruno-Gröning-Gruppe aus der katholischen oder evangelischen Kirche. (Sickora, a.a.O. S. 178)

Die Lehre in der Selbstdarstellung des Bruno Gröning-Freundeskreises

Die Lehre Bruno Grönings geht vom Einfluss geistiger Kräfte auf den Menschen aus. Der Einfluss dieser Kräfte ist grösser, als von den meisten Menschen angenommen.

Bruno Gröning vergleicht den Menschen mit einer Batterie. Im täglichen Leben gibt jeder Kraft ab. Jedoch wird die benötigte neue Lebensenergie oft nicht mehr ausreichend aufgenommen. Ebenso wie eine leere Batterie nicht funktionstüchtig ist, kann ein kraftloser Körper seine Aufgaben nicht erfüllen. Abgespanntheit, Nervosität, Lebensängste und letztlich Krankheit sind die Folgen.

Bruno Gröning erläuterte nun, wie der Einzelne wieder zu neuen Energien kommen kann. Der Glaube an das Gute ist hierfür ebenso Voraussetzung wie der Wille zur Gesundheit. Der Mensch ist überall von Heilwellen umgeben, die er nur aufzunehmen braucht. Laut Bruno Gröning gibt es keine unheilbare Krankheit, was die ärztlich geprüften Erfolgsberichte bestätigen. Die Heilungen geschehen hier allein auf geistigem Wege und sind daher nicht an Bruno Grönings materiellen Körper gebunden.

Um diesen Heilstrom aufzunehmen, sitzt der Hilfesuchende mit geöffneten Händen. Arme und Beine sind nicht verschränkt, um das Fliessen des Heilstroms nicht zu unterbinden. Gedanken an Krankheit und Sorge wirken hinderlich, Gedanken an etwas Schönes hingegen sind hilfreich.

Wenn der Heilstrom durch den Körper fliesst, stösst er auf die Organe, die durch Krankheit belastet sind und beginnt dort seine reinigende Wirkung. Dabei kann es zu Schmerzen kommen, die ein Anzeichen für die Reinigung des Körpers sind. Da die Krankheit ihrem Wesen nach nicht von Gott gewollt ist, wird sie nach und nach beseitigt. Dies kann in einzelnen Fällen auch spontan geschehen. Hierzu ist es notwendig, dass sich der Mensch nicht mehr gedanklich mit der Krankheit beschäftigt, sondern daran glaubt, dass es für Gott kein Unheilbar gibt.

Um auch weiterhin gesund zu bleiben, stellen sich die Bruno Gröning Freunde täglich auf den Empfang des Heilstroms ein. Der gesunde Körper bildet die Grundlage für ein Leben in Einklang mit sich selbst, den Mitmenschen und der Natur.

Das Ziel der Lehre Bruno Grönings ist es, einen Kranken zu einem lebensfrohen Menschen zu machen, der frei von körperlichen und seelischen Belastungen ist. (Siehe: Die Lehre Bruno Grönings, Online im Internet)

So heilt der Geist

Der Mensch steht nach Überzeugung Grönings im Spannungsfeld zweier Kraftquellen - negativ-abbauenden und positiv-aufbauenden Kräften - zwischen denen er sich entscheiden kann und muß. Welchen Energien er sich öffnet, hängt von seiner gedanklich-geistigen Ausrichtung ab. Während negative Gedanken einen Menschen an das negative Potential anschließen, das ihn seiner Kräfte beraubt und dadurch krank werden läßt, verbinden ihn positive Gedanken mit der guten, der göttlichen Kraftquelle, aus der ihm stärkende und heilende Energien zufließen.

Das erfordert vom kranken Menschen freilich eine Neubesinnung. Ist er doch geneigt, sich einem Krankheitsgeschehen eher angstvoll-besorgt hinzugeben und sich so nur noch fester an das Übel, das er gerade loswerden möchte, zu binden. Bruno Gröning: "Wer sich mit der Krankheit beschäftigt, hält sie fest und versperrt der göttlichen Kraft den Weg." Der wichtigste Schritt für den Heilungssuchenden besteht also darin, geistig eine ganz bewußte Trennung von der Krankheit zu vollziehen. Hat der kranke Mensch sich in dieser Weise innerlich richtig "eingestellt", darf er das Einfließen der heilenden Kräfte zuversichtlich erwarten.

Nun gilt es, auf körperliche Reaktionen zu achten. Sehr häufig wird ein deutliches Kribbeln, zuweilen auch ein stärkeres Fließen oder Strömen durch die Glieder wahrgenommen sowie Wärme empfunden. Allerdings können auch unangenehme Empfindungen oder Schmerzen auftreten, die der Symptomatik des Krankheitsbildes oft ähnlich sind. Diese Signale zeigen den beginnenden Heilungsprozeß an, also eine "Heilungskrise", wie sich auch in der Medizin bekannt ist (hier sei nur auf die Phase der Erstverschlimmerung nach Einnahme eines homöopathischen Heilmittels hingewiesen). Gröning nannte dies die "Regelungen".

In der Mehrzahl der von der MWF untersuchten Berichte zeigt sich der Heilungsverlauf genau in der hier beschriebenen Weise, und mit dem Aufhören der Regelungen tritt oft schon völlige Beschwerdefreiheit, zumindest aber eine signifikante Besserung der Symptomatik ein." (Siehe: Heilung auf geistigem Wege, a.a.O. S. 8f.)

Biografisches

Bruno Gröning (1906 - 1959) stammt ursprünglich aus Danzig, hatte ein wechselvolles Leben, blieb aber ohne höhere Schulbildung. Nach dem 2. Weltkrieg begann er mit Heilungsversuchen. Nach einer Geistheilung eines achtjährigen Jungens wurde er bekannt und es entstand seine Organisation 'Bruno Gröning. C. Sickora schreibt:

'Bruno Gröning behauptete, von Gott gesandt zu sein. Seine Heilmethode beruht auf Strahlung, die er nie genau definierte. Er lehnte es jedoch ab, seine Fähigkeiten unter Laborbedingungen unter Beweis zu stellen. 1954 wird ein erster Prozeß gegen ihn geführt mit dem Vorwurf des Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz und wegen Körperverletzung. Gröning wird zwar freigesprochen, aber das Auftreten als Heiler wird ihm verboten. Er arbeitete dann als Heilpraktiker-Gehilfe und bringt die Staniolkugel auf den Markt, die mit akkumulatorischer Wirkung seine Heilkräfte übertragen soll. Gröning behauptete von sich, dass er seine nie versiegende Kraft ein für alle mal auf seine Bilder, auf besagte Staniolkugeln oder andere Gegenstände übertragen kann. 1956 stirbt im Alter von 16 Jahren der oben erwähnte 'geheilte' Junge. Zwei Jahre später wurde Bruno Gröning erneut der Prozeß gemacht. Diesmal wird er zu einer Gefängnisstrafe mit Bewährung und einer Geldbuße verurteilt. Er starb 1959 in Paris an Magenkrebs." (Sickora, Über die Brücke zum Wachtturm, Dresden 1992, S. 177)

Geschichtliche Entwicklung

Die Gruppe ist sehr klein, man geht gemeinhin von etwa 3000 Mitgliedern aus. Nach dem Tod von Bruno Gröning geriet sie in eine Existenzkrise aus der sie Grete Häusler herausführte. Örtliche Gemeinschaften des Bruno Gröning-Freundeskreises existieren in der gesamten Bundesrepublik, der Schweiz, Belgien, Frankreich, Österreich und den USA. Mit der allgemeinen Verbreitung des Internets machte die Gruppe auch dort ihre weltweite Werbung. Allerdings ist hier anzumerken, dass aus dem Angebot keine Angaben über die Größe und Bedeutung der "Internationalen Kontaktstellen" ersichtlich sind. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stellt sich die Gruppe bedeutsamer dar, als sie in Wirklichkeit ist.

Die Gruppe schottet sich stark nach außen ab, Zweifel an Bruno Gröning werden gebrandmarkt. Die Gruppe steht unter dem Verdacht der Kurpfuscherei, obwohl sie das weit von sich weist. Probleme entstehen immer dann, wenn Patienten mit ernsten Krankheiten, die sich an die Gruppe wenden, durch das Eintauchen in diese, von medizinischer Behandlung ferngehalten werden.

Um dem Vorwurf der Kurpfuscherei entgegenzutreten, orientiert sich die Gruppe in der Gegenwart sehr stark auf Personen mit medizinischer oder heilpraktischer Qualifikation. In diesem Zusammenhang tritt eine "Medizinisch-Wissenschaftliche Fachgruppe (MWF)" unter der Leitung von Dr. Matthias Kamp auf. Die Intention ist sehr durchsichtig:
Der medizinische Doktortitel von Dr. Kamp wird als Autoritätsbeweis für die Seriosität und medizinische Wirksamkeit des "Heilstromes" eingesetzt.
Ob Dr. Kamp approbierter Arzt ist, oder nicht, ist dem Autoren nicht bekannt.

Statistik und gesellschaftliche Relevanz

Obwohl sich die Gruppe im Internet als groß und bedeutend darstellt, dürfte sie in der Bundesrepublik nicht mehr als einige hundert Aktivisten haben. Allerdings gibt es nach unseren Erkenntnissen eine "Fangemeinde", die zwar einer sehr hohen Fluktuation unterworfen ist, aber doch einige Tausend umfassen dürfte. So werden die "Vorträge über geistiges Heilen" in Deutschland nach unseren Informationen in der Regel von etwa 20 - 40 Personen besucht. Dabei fällt auf, dass die Gruppe bestrebt ist, schon durch die Wahl des Veranstaltungsortes eine Nähe zu seriösen Lebenshilfevereinen zu dokumentieren. So werden Vereinslokale bevorzugt, in denen sich Arbeitsloseninitiativen, soziale Lebenshilfe- und Beratungsvereine großer und anerkannter sozialer Träger regelmäßig treffen. Der Freundeskreis Bruno Gröning reiht sich in die unübersehbare Zahl esoterischer Lebenshilfeangebote ein und steht natürlich auch zu ihnen in Konkurrenz. Aus diesem Grund ist es wenig wahrscheinlich, dass die Gruppe eine größere gesellschaftliche Bedeutung erlangen wird.

Beurteilung

Die hier vorgestellte Heilungsmethode erinnert sehr stark an die Methoden der Christian Science, aber auch spiritistischer Denkmodelle. Indem die "Heiler" vom Kranken verlangen, sich den "positiv aufbauenden Kräften" zu öffnen, schieben sie einerseits die Ursache der Krankheit dem Kranken selbst zu, andererseits eröffnen sie sich für den Fall des Mißerfolges der "Heilung" eine Hintertür, eine Ausrede:
Der Kranke ist in jedem Falle selbst an seiner Krankheit schuld!
Wenn er trotz des "Heilstromes" weiterhin krank bleibt, dann hat er sich eben nicht für die "positiv-aufbauenden Kräfte" sondern für die "negativ-abbauenden" entschieden. Der hier nachzuweisende Dualismus zwischen Gut und Böse stellt eine banalisierende Schwarz-Weiß-Malerei dar, der weder wissenschaftlich noch moralisch vertretbar ist. Das Postulat, dass der Mensch im Spannungsfeld zweier Kraftquellen stünde, läßt sich wissenschaflich nicht verifizieren. Hinzu kommt, dass die von der Gruppe angeführten "Beweise" für den Erfolg ihrer Methode nicht durch unabhängige Untersuchungen belegt sind. Die in der Werbebroschüre vorgelegten "Dokumentationen" über "Erfolge" des Heilstromes (vgl.: Heilung auf geistigem Wege, a.a.O. S. 12 - 24) sind nicht schlüssig, da sie einerseits nur durch Anhänger der Gruppe belegt sind, andererseits nicht durch unabhängige ärztliche Gutachten klinisch belegt sind.

Die Tatsache, dass sich im Bruno Gröning-Freundeskreis auch Ärzte befinden, wertet die Gruppe aus wissenschaftlicher Sicht fachlich nicht auf. Für die fachliche Bewertung ist allein der wissenschaftlich-methodische Ansatz, nicht der Titel oder Beruf des Versuchsleiters, ausschlaggebend (Autoritätsbeweise sind nichteinmal in den Geisteswissenschaften anerkannt!!!). Dieser Ansatz setzt in jedem Falle voraus, dass einerseits ein Forschungsergebnis bei gleicher Methodik des Versuches reproduzierbar sein muß, andererseits muß das Prinzip der Unvoreingenommenheit erfüllt sein. Das heißt, die Hypothesen dürfen nicht das Ergebnis schon vorwegnehmen. Unvoreingenommenheit heißt hier, dass bei der Erfassung, Prüfung und medizinischen Dokumentation von geistigen Heilungen in jede Richtung hin recherchiert werden muß. Dazu gehört auch, dass die "Heilungserfolge" methodisch sauber vom Placebo-Effekt, von möglichen Betrugs- oder Täuschungsmanövern abgegrenzt werden. Hierzu stellt die Wissenschaft ein hinlänglich sicheres Instrumentarium zur Verfügung. Die vom Bruno Gröning-Freundeskreis vorgelegten und veröffentlichten Heilungsberichte erfüllen diese Kriterien nicht.

Der Bruno Gröning Freundeskreis arbeitet nach meiner Ansicht hart an der Grenze zur Kurpfuscherei. Er betont zwar immer wieder, dass er weder diagnostiziere, noch behandele und dass er nicht von Medikamenteneinnahme, Arztbesuch und Therapiemaßnahmen abrate (Siehe: Heilung auf geistigem Wege, a.a.O. S. 9). Doch steht er hier sowohl juristisch als auch moralisch auf sehr schwankendem Boden. Die Versicherung, nicht medizinisch tätig zu sein, ist überhaupt nichts wert, wenn sie nicht auch in der Praxis durchgehalten wird. Und genau hier scheint mir auch das Problem zu liegen. Durch die Art der Werbung der Gruppe werden meiner Meinung nach in praxi und realiter Menschen besonders angesprochen, die aus medizinischer Sicht als "austherapiert" gelten. Dabei wird diesem Personenkreis meiner Ansicht nach vorgegaukelt, es gäbe außerhalb der medizinischen und heilpraktischen Versorgung noch einen dritten Weg (vgl. hierzu den Endbericht der Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen" a.a.O.S.55).

Wie wenig wirksam der "Heilstrom" bei Bruno Gröning selbst gewesen sein muß, wird aus diesem Bild nur zu deutlich. Gröning litt offenbar an einem schweren Struma (Kropf). Hinzu kommt, dass es seine eigene "Heilkraft" nicht vermochte, ihn selbst vor Krebs und Tod zu bewahren.

Literatur und Quellen

Deutsche Bibliothek

Bruno Gröning

Ausgewählte Quellen und Selbstdarstellungen der Gruppe

Bruno Gröning-Freundeskreis
Heilung auf geistigem Wege, medizinisch beweisbar.
Eine aufklärende Schrift der Medizinisch-wissenschaftlichen Fachgruppe des Bruno Gröning-Freundeskreises. - 24 S.
Tensfeld: Eigenverlag, 1998
Busse, Thomas (Hrsg.):
Die Lehre Bruno Grönings, Grete Häusler-Verlag, Mönchengladbach 1995
Eich, Christa:
Bruno Gröning führt uns zum lieben Gott, Grete Häusler-Verlag, Wegberg 1990, 2. Aufl. 1992
Eich, Thomas:
Das Wirken Bruno Grönings zu seinen Lebzeiten und heute, Grete Häusler-Verlag, Wegberg 1993
Eich, Thomas:
Der Bruno Gröning-Freundeskreis - was ist das? Wissenschaftliche Beleuchtung eines Phänomens, DGH-Schriftenreihe Band 2, Verlag für geistiges Heilen, Schönbrunn 1997
Häusler, Grete (Hrsg.):
Bruno Gröning hilft der leidenden Menschheit, Hennef/Sieg 1997
Jud, Peter:
Hilfe und Heilung auf geistigem Weg durch die Lehre Bruno Grönings, Einführungsvortrag, gehalten in St. Gallen am 12. Februar 1998
Kreis für geistige Lebenshilfe,
Statuten, Hennef/Sieg 1993
Pesch, Christoph:
Reinheit, Grete Häusler-Verlag, Wegberg 1993

Ausgewählte kritische Literatur

Sickora, C:
Über die Brücke zum Wachtturm, Dresden 1992, S. 177 f.
Grotens, Benno:
Ein neues Leben beginnen.
Wunderheilergemeinschaft, In: ru, Zeitschrift für die Praxis des Religionsunterrichts, I(1989)S.
Endbericht der Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen"
In: Deutscher Bundestag 13. Wahlperiode, Drucksache 13/10960 (09. 06. 98)
Burkart, M.:
Gröning, Bruno; in: Erste Auskunft "Sekten", Verlagsgesellschaft Benno-Bernwald-Morus, 2. Auflage Leipzig 1995
Ruppert, Hans-Jürgen:
Bruno Gröning-Anhänger im Aufwind, Materialdienst der EZW 5/96, Quell Verlag, Stuttgart 1996
Trenkel, Eduard:
Ein Toter macht von sich reden, Materialdienst der EZW 10/93, Quell Verlag, Stuttgart 1993

Fazit

Im Sinne einer verantwortlichen Praxis in Medizin, Psychologie und verwandten Bereichen besteht ein dringender Bedarf nach überprüfbaren Studien mit erweitertem Fragenkatalog. Besondere Beachtung sollte hierbei den initiierenden und aufrechterhaltenden Motivations- und Bedürfnisstrukturen (vor allem Sinnfragen, existentieller Klärungsbedarf) geschenkt werden. Die von den Nutzern und Anbietern subjektiv wahrgenommene Effektivität im Vergleich zu anderen medizinischen und psychologischen Methoden sollte einer empirischen Überprüfung unterzogen werden.

Derartige Studien werden aktuell z.T. bereits durchgeführt, die Durchführung weiterer Untersuchungen wird von der Enquete-Kommission begrüßt und empfohlen (siehe dazu Kap. 5.1.7 und 6.2.9).

In bezug auf unkonventionelle Verfahren bedeutet dies, daß eine gezieltere Auseinandersetzung mit problematischen Erfahrungen und somit den Problembereichen der Methodik, der Ausführung, der diagnostischen und methodischen Verantwortlichkeit und der Qualitätssicherung stattfinden sollte. Bei der vorliegenden Verbraucherstichprobe ist z.B. sichtbar geworden, daß gerade esoterisch-magische Methoden von vielen Nutzern frequentiert werden, die über starke psychische Probleme berichten. Nach den Ergebnissen der Anbieterstudie ist zumindest fraglich, ob alle alternativen Anbieter über entsprechende Qualifikationen verfügen.

Für die Probleme, die von unsachgemäßen Anwendungen und bei ungeeigneten Klientengruppen ausgehen können, wird das geplante Lebenshilfebewältigungsrecht Vorkehrungen zur Verfügung stellen, diese zu minimieren (s. Kap. 5.5.5.3 und 6.2.2.3).

Die Institutionen des formellen Sektors des Gesundheitsbereichs sollten beim Blick auf den informellen Sektor berücksichtigen, daß von den Nutzern alternativer Methoden neben dem Bedürfnis nach Linderung körperlicher Symptome, weitere Motive genannt werden, die implizit oder explizit mit Persönlichkeitsveränderung und Bewußtseinserweiterung verbunden sind. Die akademische Medizin und Psychologie und andere professionelle Heildisziplinen sollten diese Bedürfnisse nach "Lebensbewältigung" stärker berücksichtigen. Dies hätte Folgen für die Lehre, Forschung und Praxis der angesprochenen Gebiete, wo sichergestellt werden müßte, daß existentielle Fragen und Probleme, die viele Klienten bewegen, in die professionelle Behandlung integriert werden.

Auch in Hinsicht auf die Beziehung zwischen Behandler und Klient und die Eigenverantwortlichkeit für den Gesundheitszustand liegen in diesem alternativen Bereich offensichtlich andere Muster vor, von denen im Zuge der Individualisierung von Lebensverhältnissen modernisierende Impulse ausgehen könnten.

Als besonders problematisch erscheint die eklektische Anwendung von Methodenmischungen im betrieblichen Raum. Zum einen können hier Zwangselemente auftreten, die aus den besonderen Abhängigkeitsbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern resultieren, zum anderen machen gerade die Mischungen aus verschiedenen Methoden die Angebote undurchsichtiger und erschweren eine Einschätzung sowohl durch betriebliche Einkäufer als auch durch den einzelnen Betriebsangehörigen, der mit derartigen Maßnahmen konfrontiert wird.

Diese strukturell bestehenden Asymmetrien können durch die angespannte Arbeitsmarktlage und die bestehenden Tendenzen zur Verbetrieblichung von Weiterbildung weiter verstärkt werden. Die Problematik ist bisher in diesem Bereich arbeitsrechtlich noch nicht ausreichend geklärt. (Endbericht der Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen" In: Deutscher Bundestag 13. Wahlperiode, Drucksache 13/10960 (09. 06. 98), S. 55)

Weblinks

Quellenlinks

Freundeskreis Bruno Gröning
http://www.bruno-groening.org/default.htm
Verlag
Grete Häusler GmbH
Verein zur Förderung seelisch-geistiger und natürlicher Lebensgrundlagen in Deutschland e.V.
http://www.verein-bruno-groening.de/
Informationskreis: Leben und Lehre Bruno Grönings e.V.
http://www.bruno-groening.net/informationskreis.htm

Kritische Links

Wikipedia
Bruno Gröning-Freundeskreis
AGPF
Der Bruno-Gröning-Kult
Relinfo.ch
Bruno Gröning-Freundeskreis

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